Wenn die Banane zum Bundeskanzler wird

In Poetry-Workshops erfahren Schüler des Starkenburg-Gymnasiums, dass Sprache gleichermaßen mächtiges Werkzeug und lustiges Spielzeug sein kann.

Heppenheim. Poetry-Slam-Workshops mit Sprachspielen, Wortwettkämpfen und kreativem Schreiben stand am Mittwoch für Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 des Starkenburg-Gymnasiums auf dem Stundenplan. Zu Gast waren Slam-Poet Lars Ruppel und Spoken-Word-Artist Dalibor Markovic, letzterer schon zum dritten Mal.

Die Kreativität kitzeln

„Zum zweiten Mal arbeitet er mit derselben Gruppe“, berichtete Lehrerin Barbara Simons. Lehrer seien bei den Workshops an diesem Vormittag nicht dabei, denn ohne Beobachtung von außen und vor allem ohne Benotung, könnten die Jugendlichen freier sein.“ Ein solches Projekt wird Simons zufolge einmal im Jahr an der Schule angeboten. „Wir sehen das Ganze als Fördermaßnahme für kreatives Schreiben, denn die Dichter haben einen anderen Zugang zu den Schülern, können kompetenter an speziellen Texten arbeiten. Sie können von ihrem Werdegang und ihrer Art zu schreiben berichten, wie sie Themen finden und wie sie mit Sprache umgehen – das bringt sehr viel.“ 

Die 75 Schüler der Jahrgangsstufe 11 konnten sich davon im Workshop mit Lars Ruppel überzeugen. Das, was der Slam-Poet mit den Schülern durchexerzierte, bezeichnete er als „Poesie-Begeisterungs-Show“. „Die jungen Menschen sollen lernen, dass Sprache ein wahnsinnig mächtiges Werkzeug ist und ein lustiges Spielzeug, mit dem man Freude haben und Menschen begeistern, sich aber vor allem selbst ausdrücken kann.“ Neben einem Synonyme-Spiel, bei dem es galt, für ein Wort, das Ruppel vorgab, möglichst schnell passende Alternativen zu finden, gab es auch immer wieder Übungen. Diese sollten den Schülern helfen, Hemmungen abzubauen und den Respekt vor der großen Literatur zu verlieren. „Dabei merken sie, dass man Poesie mitgestalten und Teil davon sein kann“, so der Slam-Poet. Sein Ziel war es, die Schüler dahin zu bringen, Sprache als etwas zu begreifen, was gepflegt sein will, was man aber auch kreativ verwenden kann. 

Dass der Workshop den Elftklässlern Spaß machte, war nicht zu übersehen: Sie hörten aufmerksam zu, arbeiteten konzentriert und stellten ihre Texte stolz der Gruppe vor. „Ich weiß aus anderen Schulen, dass es nach diesen Workshops sogar Jugendliche gab, die mit ihren Texten auf die Bühne gingen“, so Ruppel. 

Über Liebe und Hass

Nachdem jeder Schüler ein Liebes- oder Hass-Gedicht zu einem ihm zugelosten Gegenstand hatte schreiben sollen, ging es erneut ans Vortragen. Der erste, der sich meldete, hatte von der Liebe zu Luftballons geschrieben, danach folgte ein Liebesgedicht über Bananen. „Bananen for Bundeskanzler“, forderte Schüler Benjamin darin. Im Anschluss trug Sofie ein Hassgedicht zu Gummienten vor. Von den Ergebnissen der Schülergedichte zeigte sich Lars Ruppel begeistert: „Großartig“, lobte er.

Auch im Nebenraum ging es bei dem Workshop des Leistungskurses Deutsch der zwölften Klasse um das Schreiben und Kreativ-werden. Dalibor Markovic hatte mit einem Brainstorming und dem Vorstellen verschiedener Gedichtsformen begonnen. „Nun haben wir die Aufgabe, völlig frei zu schreiben. Das kann ein Gedicht sein, ein Tagebucheintrag oder eine Geschichte – das ist jedem selbst überlassen“, erzählte Schüler Theo. Markovic erklärte, er wolle den Schülern näher bringen, die Freude an der Literatur nicht zu verlieren. „Das ist wichtig, gerade in der heutigen Zeit.“ Die Workshops dauerten noch bis zum Mittag. Im nächsten Jahr sollen sie laut Barbara Simons wieder stattfinden.

Miriam Gartlgruber

(c) Echo Online, 03.06.26