Fast-Fashion-Tag am Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium

Die Neuntklässler des Heppenheimer Starkenburg-Gymasiums befassten sich mit einem etwas ungewöhnlichen, aber nicht minder interessantem Thema in einer gemeinsamen Aktion ihres Ethik-, Politik- und Wirtschaftsunterrichts sowie im Fach Erdkunde: Sie untersuchten den Trend Fast-Fashion und machten sich dabei auch Gedanken darüber, wie man künftig besser Fair-Fashion erreichen kann.

„Wir legen als Schule großen Wert auf Nachhaltigkeit und haben uns bereits bei Schuljahresbeginn darüber Gedanken gemacht, wie man dieses Thema am besten den jungen Leuten im Unterricht nahebringt“, erläuterte dazu Nazife Ilhan, die als Ethiklehrerin eine Lerngruppe in diesem Jahrgang unterrichtet. „Gerade wegen dieses schulischen Schwerpunkts haben wir uns mit diesem Thema auseinandergesetzt, den neunten Jahrgang dafür ausgewählt und den Zeitpunkt für dieses Projekt auf die Zeit vor den Zwischenzeugnissen festgelegt“, erläutert sie.

Kleidung der Schüler kommt meist aus Südostasien

Im Vorfeld haben die rund 120 Schüler dieser Klassenstufe dann schon die Kleider für die damit verbundene Tauschbörse gesammelt. Am Fast-Fashion-Fair-Fashion-Tag selbst hätten sie zunächst ihre Kleidung, mit der sie an diesem Tag in die Schule kamen, auf deren Herkunft kontrolliert, die Herstellungsländer auf der Weltkarte gekennzeichnet und dabei festgestellt, dass die Produkte überwiegend aus Südostasien kommen. Zudem hätten sie über die Gründe dafür gesprochen. Festgestellt habe man dabei, dass junge Leute gern „stylish“ gekleidet sein wollen und dies ihnen wichtiger erscheine, als die damit verbundenen Nachteile der Produktion.

Zum Thema gab es den Film „The True Cost“, der auch die Auswirkungen und Probleme dieser Massenproduktion in Südostasien auf die Mitarbeiter und die dortige Natur zeigt. Entsetzt hätten die jungen Leute dabei die Katastrophe in der Rama-Plaza-Fabrik in Bangladesh gesehen. „Das hat unsere Schüler echt wachgerüttelt“, so Nazife Ilhan. Die Schüler hätten danach ein Nachhaltigkeitsdreieck entwickelt mit Kriterien zur Nachhaltigkeit der Kleidung, mit dem sie beim Kleidungskauf Bewertungen vornehmen können.

Müllberge mit alter Kleidung landen in Afrika

„Dieses Thema im Unterricht ist wirklich interessant, denn man lernt dabei Sachen kennen, die gerade bezüglich unserer Kleidung an Bedeutung gewinnen“, stellte beispielsweise Matheo fest, der mit Mitschülern in Gruppenarbeit an Plakaten zum Thema beschäftigt ist. Schlimm seien die Müllberge mit weggeworfener Kleidung, die letztlich aus Europa in Afrika landen. Ennie fand die Arbeitsbedingungen der Arbeiter in den Fabriken schlecht, in die diese sogar ihre Kinder mitnähmen. Dieses Thema beschäftigte auch Oskar. „Es bedenklich, dass damit Kindern der Weg zu Bildung und einer besseren Zukunft versperrt wird“, stellte er fest. „Ich werde künftig Produkte bevorzugt kaufen, die aus Firmen kommen, bei denen der Bio-Standard gilt“, betonte Emily.

Bei der Tauschbörse waren viele mitgebrachten T-Shirts, Jeans, Sportkleidung oder Käppis gelandet, die die Neunklässler schon vor den Weihnachtsferien aus ihren Kleiderschränken herausgeholt hatten, weil sie zu klein geworden waren, nicht mehr gefielen oder nicht mehr gebraucht wurden. Diese konnten dabei neue Besitzer finden. „Was nicht unter die beteiligten Schüler gehen wird, erhält das Heppenheimer DRK“, sagten Nazife Ilhan und ihre Kollegin Melda Sezgan.

(c) Echo-Online, 28.01.26