60 Jahre Abitur: Wie es am alten Starkenburg-Gymnasium war

Schülerinnen und Schüler des Starkenburg-Gymnasiums, die 1966 ihr Abitur gemacht haben, haben das neue Gymnasium besucht. Was sich seitdem verändert hat.

Im Februar vor genau 60 Jahren erhielten rund 30 Schülerinnen und Schüler des alten Starkenburg-Gymnasiums ihre Abiturzeugnisse im Kurfürstensaal. Am Samstag kamen sie anlässlich dieses Jubiläums erneut zusammen. „Wir treffen uns regelmäßig und die Abstände werden aufgrund unseres Alters immer kürzer. Diesmal aber findet das Treffen zur Feier unseres damaligen Abiturs außertourlich im Februar statt“, erklärt Bernd Scharf, einer der ehemaligen Abiturienten.

„Wir waren der letzte Abi-Jahrgang, der noch am alten Starkenburg-Gymnasium in der Gräffstraße Abitur gemacht hat“, erzählt er. Danach sei das Gebäude abgerissen worden. Heute stehe auf dem Gelände die Martin-Buber-Schule. Am Morgen hatte die Gruppe das neue Starkenburg-Gymnasium bei einer Führung der Schulleiterin besichtigt. „Im Vergleich zu damals hat sich alles verändert“, resümierten die Ex-Schüler.

Zwei Klassen sehen sich als eine

Es sei sehr spannend gewesen, die Einrichtung zu begehen und Vergleiche zu früher anzustellen. So gab es 1957 zu ihrer Einschulung insgesamt 374 Schüler auf der alten Schule. „Heute besuchen das Starkenburg-Gymnasium knapp 1.200 Schüler. Es gibt mittlerweile einfach viel mehr Kinder. Das war damals anders – vor allen Dingen besuchten nicht alle das Gymnasium“, so Bernd Scharf.

Sein Schulkamerad Wolfgang Ensinger erinnerte sich, dass ihr alter Abiturjahrgang ursprünglich aus zwei getrennten Klassen bestand. „Wir haben uns aber nie als getrennte Parallelklassen, sondern immer als eine Klasse betrachtet. Manche Fächer hatten wir zusammen, andere nicht. Am Ende gab es einen sprachlichen und einen mathematischen Zweig.“ Insgesamt habe es in dem Jahrgang nur sechs Mädchen gegeben. Zwei davon, Irmingard Peterhoff und Karin Kubassek, besuchten den mathematischen Zweig und haben die gemeinsame Zeit „mit ihren Jungs“ in bester Erinnerung.

„Wir waren Exoten, aber es waren wunderbare Jahre. Es gab kein Gezicke und kein Gezanke, alle haben sich sehr gut verstanden.“ Irmingard Peterhoff, die nach dem Abitur Zahnmedizin studierte, kommt zu den regelmäßig stattfindenden Treffen extra aus Marburg angereist. „Zu sehen, wie es den ehemaligen Klassenkameraden geht, ist mir wichtig. Es ist jedes Mal so, als hätte man sich vor Kurzem zuletzt gesehen.“

Umso schlimmer sei es, wenn jemand aus den Reihen versterbe, wie Bernd Scharf sagt. „Bisher sind vier unserer Mitschüler gestorben. Aber auch die anderen, kommen nicht alle zu den Treffen. Manche können aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen oder wohnen zu weit weg.“

So hätten sich die Reihen nach dem Abitur zunächst zerschlagen, denn nicht alle blieben in Heppenheim wohnen. So wanderte einer der Mitschüler beispielsweise nach Amerika aus, war in New York und Pittsburgh. Andere gingen nach Nordhessen oder Darmstadt. Auch beruflich habe es die Schulkameraden in ganz unterschiedliche Richtungen verschlagen, einer wurde Architekt, ein anderer Jurist. „Das war ganz verschieden.“

Auch ihre ehemalige Schule blickte laut Scharf auf eine wechselvolle Geschichte: „1882 wurde sie als höhere Bürgerschule gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Einrichtung nach einer Zeit der Schließung wieder geöffnet wurde, hieß sie zunächst Realgymnasium, wurde aber relativ schnell in Starkenburgschule Gymnasium Heppenheim umbenannt. Das war 1956, ein Jahr später wurden wir eingeschult.“

Gute Erinnerungen an einen damaligen Lehrer

Gerne erinnern sich die ehemaligen Schüler noch an ihren Lehrer Werner Wirth. „Er war ein exzellenter und moderner Pädagoge“, betonte Wolfgang Ensinger. Ihnen allen habe er unheimlich viel über das Leben beigebracht. „Generell war es damals nämlich eine schwierige Zeit.“ Als sie die Schule verließen, seien sie „mit dem Kopf voran in die 68er-Zeit eingestiegen“. „Wir haben die Revolution auf den Straßen mitgemacht und diese, nach einer Schulzeit, deren Lehrerschaft zu großen Teilen noch vom Dritten Reich geprägt war, als große Befreiung empfunden. Es hat sich eine ganz andere Welt für uns aufgetan. Aber es ist ja immer alles im Wandel.“

So ist sich die Gruppe einig, dass die Digitalisierung mit Themen wie KI in Zukunft auch in den Schulen alles ändern und auf den Kopf stellen werde. Die meisten der ehemaligen Abiturienten sind daher froh, dass sie damals auf der Schule waren. „Es war nicht alles besser, aber es hatte Atmosphäre.“

(c) Echo-OInline 24.02.26