Heppenheim: Was es bedeutet, für oder gegen etwas zu sein

Mit schauspielerischen Schülerbeiträgen zu Themen wie Ausgrenzung und Hass sowie einem Vortrag zur politischen Lage in Deutschland wurde am Dienstag die Interkulturelle Woche am Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium eröffnet. In der Eingangshalle fand der gesamte Jahrgang 11 Platz, um beim offiziellen Auftakt dabei sein zu können.

Recherchearbeit im Unterricht und in der Antirassismus-AG waren der Veranstaltung vorausgegangen, erklärte Melda Sezgin, Leiterin der Antirassismus-AG. „Für die Vorbereitungen habe ich meinen Politikkurs mit der AG verknüpft, damit die Teilnehmer gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.“ Das Ganze sei in Kooperation mit dem Kurs Darstellendes Spiel gelaufen.

Dieser zeigte zu Beginn ein Schauspiel, das die Lehrerinnen Verena Schermuly und Anna Scharf vorbereitet hatten. Das diesjährige Motto der Woche „dafür!“ wurde laut Melda Sezgin auch am Starkenburg-Gymnasium zum Anlass genommen, um unter anderem mithilfe verschiedener Rollenspiele deutlich zu machen, was es bedeutet, für oder gegen etwas zu sein, aber auch, welche Folgen es haben kann, wenn man die falschen Gruppen unterstützt.

Schwächere nicht ausschließen

Bei der Aufführung der Jugendlichen wurde die Intention dahinter deutlich. So ging es in mehreren kurzen Stücken jedes Mal darum, schwächere Gruppen nicht auszuschließen. Einmal war es ein Junge mit Migrationshintergrund, ein anderes Mal ein Mädchen in einem Sportteam voller Jungs oder eine Seniorin in einer Gruppe Jugendlicher. „Unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder sexueller Orientierung soll jeder Mensch die gleichen Chancen bekommen“, betonte Melda Sezgin.

Die Schüler im Publikum hatten nach jeder Vorführung die Möglichkeit, sich mithilfe einer roten oder einer grünen Karte für die ausgegrenzte Person oder gegen sie zu entscheiden. In anschließenden Fragerunden wurde dann besprochen, was eine Entscheidung gegen die Person mit dieser gemacht hätte. So waren sich die Schüler einig, dass das Mädchen, das aufgrund seines Geschlechts beim Sport ausgegrenzt wurde, auf diese Weise seine Träume nicht weiterverfolgt oder ein geringes Selbstbewusstsein aufgebaut hätte.

Was, wenn die AfD an die Macht kommt?

Wie Deutschland aussehen würde, wenn die AfD irgendwann an die Macht kommen würde, zeigte eine Schülergruppe in einem Filmbeitrag. „Wenn die Dinge, die im Wahlprogramm der AfD stehen, irgendwann umgesetzt werden, dann würden Frauen nicht mehr arbeiten und stattdessen zu Hause bleiben und Kinder bekommen, die Deutsche Mark würde wieder eingeführt werden und junge Menschen mit Migrationshintergrund müssten auf andere Schulen gehen“, hieß es in dem Beitrag. Dieses Gedankenexperiment wirke zunächst unrealistisch, meinte eine Schülerin. „Wenn die AfD in Deutschland regieren würde, wäre das aber bald unser Alltag.“

Die Interkulturelle Woche wird laut Melda Sezgin jedes Jahr auch innerhalb des Starkenburg-Gymnasiums eröffnet. „Damit wollen wir auf die bundesweite Initiative, an der sich auch Heppenheim beteiligt, und auf deren Angebote aufmerksam machen.“ Die Stadt bewerbe die Interkulturelle Woche zwar, trotzdem wüssten viele Schülerinnen und Schüler oft nicht, wie viele Angebote es in der Woche im Stadtgebiet gebe, an denen sie teilnehmen könnten. „Filmvorführungen, Workshops und Ähnliches zum Thema stehen den jungen Menschen in dieser Zeit zur Verfügung, und darauf wollen wir mit der offiziellen Eröffnung hier bei uns aufmerksam machen“, sagte Sezgin.

Miriam Gartlgruber

(c) Starkenburger Echo-Online, 29.09.26